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Winter einmal anders

von Anando Würzburger

hara Der Winter kann schon zu schlechter Stimmung führen. Allein schon die Vorstellung, dass die Abende so früh dunkel werden und es noch Monate dauern wird bevor der Himmel auch wieder richtig hell wird, genügt um die Laune in den Keller sinken zu lassen.

Wir versuchen der Verdunkelung entgegen zu steuern, indem wir viel Licht  erzeugen. Wir erhellen z.B die Wohnung und haben Weihnachtsbeleuchtung auf der Straße. Dies scheint erst einmal zu helfen, aber spätestens nach Weihnachten kommt der große Absacker. Letztendlich ist die allgegenwärtige Lichterzeugung ein Schwimmen gegen den Strom und führt eher zum Ausbrennen von Reserven, weil wir über die natürlichen Grenzen des Körpers hinausgehen. Auch im Winter braucht der Körper Licht, aber es genügt eine Stunde Tageslicht im Freien, am besten zur Mittagszeit um Kalzium und andere notwendige Stoffe für das Wohlbefinden herzustellen, so ärztliche Empfehlungen.

Der Winter möchte uns Ruhe und Erholung geben, eine innere Einkehr. In der Sicht der traditionellen chinesischen Medizin wird die Jahreszeit dem Element Wasser, dem Organ der Niere, Nebennieren und der Blase zugeordnet. Das Element Wasser ist gleich einer Talsperre. Hier sammelt sich unser Chi, unsere Lebensenergie. Die Talsperre sollte immer gefüllt sein, so dass wir von ihrem Überfluss das tägliche Leben gestalten und die Reservoirs nur in schwierigen Zeiten nutzen, um es dann später wieder zu füllen. Hetze, Dauerstress, ungenügender Schlaf und übermäßiger Genuss von Stimulantien wie Kaffee und Drogen leeren die Talsperre. Jetzt die gute Nachricht: Meditieren, Tantra (entspannter  Sex),  bestimmte Nahrungsmittel, entspannende Massage, Schlaf, Dunkelheit und Kuscheln, all das füllt unser Energiekonto wieder.

Also wie wäre mit einem kleinen Bärenwinter? Der Bär mummelt sich in seiner Höhle ein. Das Licht in der Wohnung wird abends gedimmt, statt tagheller und Aktivität anregender Beleuchtung wird eher eine Beleuchtung zum Entspannen eingeschaltet. Nur in Dunkelheit bildet sich das Schlafhormon Melatonin. So werden wir natürlich müde und je mehr Melatonin sich bildet desto besser und tiefer ist unser Schlaf.
Um sich mit der Dunkelheit und dem Winter anzufreunden und ihre Wohltaten genießen zu können, empfehle ich die Dunkelheitsmeditation von Osho, dazu gibt es ein Wochenende zum Jahreswechsel.

Erkältung im Winter

Auch eine Erkältung hat ihre guten Seiten. In seiner Schrift „ Colds and their benefits“ erläutert Haruchika Noguchi, inwieweit eine Erkältungskrankheit eine wichtige Regeneration für den Körper darstellt.
Haruchika Noguchi ist ein japanischer Heiler, der sich Zeit seines Lebens der Erforschung der Selbstregulation des Körpers gewidmet hat. Er entdeckte dabei unter anderem, dass sich während einer Erkältung Spannungen, die im Körper auch nicht mehr durch den Schlaf zur Entspannung finden, abgebaut werden. So wird in regelmäßigen Abständen der Material-
ermüdung des Körpers vorgebeugt und der Körper kann sich durch ein Erkältung wieder regenerieren und ins Gleichgewicht bringen.

Es sind die im Körper verbleibenden Spannungen und Blockaden, die den freien Fluss des Chi ( Japanisch für Lebensenergie) behindern und so zu einer Unterversorgung mit Chi in Teilbereichen des Körpers und daraus resultierenden Krankheiten führt.
Durch die sich ansammelnden Verspannungen sinkt unsere Sensibilität gegenüber dem Körper und wir greifen eher zu Mitteln, die eine Erkältung unterdrücken oder sie weniger spürbar werden lassen statt dem Körper zu erlauben sie für die Selbsterneuerung zu nutzen.
Auch denken wir: “ je weniger Erkältungen ich habe, desto gesünder bin ich”. Im Gegensatz dazu meint Noguchi, dass der Körper eine bis drei Erkältungen im Jahr brauchen kann um flexibel zu bleiben.

Bei der nächsten Erkältung gib dich ihr hin, was nicht heißt, dass du die ganze Zeit im Bett liegen solltest. Spüre hin, vielleicht ist es okay zu arbeiten, aber früher nach Hause zu gehen und sich hin zu legen, wenn der Körper danach fragt.
Ein Weg den Körper wieder zu sensibilisieren und  überschüssige Spannung ab zu bauen ist das Katsugen Undo. Seine regenerierenden Bewegungen bringen Körper, Seele und Geist wieder ins Gleichgewicht.

Krankheit ist laut Noguchi immer der Weg zu Gesundheit. Sie ist der Weg über den der Körper sein Gleichgewicht findet. Ein flexibler Körper wird krank, sonst kommt es zu, wie er es nennt, „Krankheit ohne Krankheit“. Der Körper ist unflexibel und reagiert nicht mehr auf sein Ungleichgewicht, er wird nicht mehr “krank”. Irgendwann kommt es dann zu einer schwereren Erkrankung, auf die er nicht angemessen reagiert, weil er nicht flexibel genug ist. Erkältungen sind die Feineinstellungen im System.

So können wir den Körper bei Erkältung unterstützen: Ein kurzes heißes Bad und ein Grog oder heißer Lindenblütentee und danach Schwitzen und Ruhen im Bett sind die guten alten deutschen Hausmittel, die dem Körper helfen der Erkältung angemessen zu begegnen. Ein japanisches Hausmittel sind ein heißes Fußbad mit guter Menge frischen Ingwer oder auch Ingwerpulver, es geht auch mit einem 1 TL Salz und/oder einem guten Schuß Schnaps im Wasser. Das Fußbad sollte so heiß sein wie es geht, dass die Füße gut durchblutet werden. Das Fußbad sollte nicht länger als 10 bis 15 Minuten sein. Die Füße herausnehmen, bevor das Wasser sich abkühlt.

Also nächstes mal das krank sein „feiern“. Und damit meine ich nicht das nicht arbeiten, sondern die innere Einstellung zur Erkältung: „Ah, mein Körper regeneriert sich gerade. Wie gut er das macht!“

Inspiriert durch das Buch: „Colds and their benefits“ von Haruchika Noguchi

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